Rundes Klärbecken der Kläranlage Gernsheim

Historie

Abwasserbeseitigung Gernsheim

Die Schöfferstadt Gernsheim betreibt bereits seit 1966 eine eigene Kläranlage. Zunächst wurde das Abwasser mechanisch-biologisch gereinigt. Ende der 80er Jahre wurde die Anlage saniert und modernisiert und erfüllte damit die staatlichen Vorgaben zur Nährstoff-Eliminierung, ausgelegt für 18.000 Einwohnerwerte. Dies stellt einen wesentlichen Beitrag zum Gewässerschutz dar, denn die gereinigten Abwässer werden in den Rhein eingeleitet.

 Der Umbau war seinerzeit das teuerste Projekt, welches Gernsheim bis dahin je zu stemmen hatte, und kostete stattliche 18,6 Mio. DM, also umgerechnet über 9,51 Mio. Euro. Immerhin wurde das Projekt vom Land Hessen seinerzeit mit 8,24 Mio. DM bezuschusst.

 Stand 2020 waren fast alle Einwohner Gernsheims an das städtische Kanalnetz an-geschlossen. Nur noch 63 Einwohner sammelten aufgrund der exponierten Lage der Grundstücke ihr Abwasser in Klärgruben, die regelmäßig entleert werden mussten. Auch diese Abwässer finden ihren Weg über Pumpfahrzeuge zur Kläranlage Gernsheim in der Friedrich-Wöhler-Straße. Ferner wird in Allmendfeld auf einem privaten Anwesen eine Pflanzenkläranlage betrieben; in 2020 waren an diese 10 Einwohner angeschlossen.

 Zurzeit betreuen die 6 Mitarbeiter der Abwasserbeseitigung neben den Anlagen der Kläranlage rund 57 km Kanalnetz sowie 29 Abwasserpumpwerke und 8 sog. Regenwasserbehandlungsanlagen. Fünf Regenwasserbehandlungsanlagen sind Anlagen mit sehr groß dimensionierten (überwiegend unterirdischen) Becken zum Rückhalt und/oder zur Behandlung des Niederschlagswassers. Sie sind ausgestattet mit hochwertiger Technologie und dazugehörigen elektrotechnischen Anlagen. Allein das Beckenvolumen des Regenrückhaltebeckens in der Heidelberger Straße (gegenüber dem Gelände des ehemaligen Hallenbads) fasst 3.150 m³ (1 m³ = 1.000 Liter).

 Im Jahr fließen über 1 Mio. m³ Abwasser über die Kläranlage, die max. Durchflussmenge ist dabei auf 154 l/s begrenzt. Im Jahr fallen bis zu 8.000 m³ Klärschlamm an, die dem Faulturm entzogen werden. Nach Entwässerung des ausgefaulten und stabilisierten Schlammes wird dieser Schlamm auf landwirtschaftliche Flächen in der Region aufgebracht. In 2020 erfolgte die Aufbringung auf landwirtschaftliche Flächen vollständig in Rheinhessen. Dabei werden die strengen Vorgaben der Düngeverordnung eingehalten. Aufgrund der rechtlichen Vorgaben verringert sich momentan die Zahl der Kläranlagenbetreiber, die diesen Weg beschreiten können; diese Unter-nehmen müssen den Schlamm kostenintensiv thermisch verwerten. Es bleibt abzuwarten, wie lange die Stadt Gernsheim diesen Weg noch beschreiten kann.

 Vielfach wird die Errichtung der sog. 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen diskutiert. Mit dieser Stufe sollen große Teile von Mikroverunreinigungen, u. a. auch antibiotikaresistente Keime, aus dem Ablauf weitestgehend entfernt werden. Der Gesetzgeber fordert dies noch nicht. Unabhängig davon hat aber der Magistrat im Rahmen einer in Auftrag gegebenen Studie die Machbarkeit überprüfen lassen. Es bleibt spannend, wie sich das Thema entwickelt.

Luftbild der Kläranlage Gernsheim mit den Klärbecken, den Verwaltungsgebäuden und der Bahnstrecke im Hintergrund

Kontakt

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