Persönlichkeiten der Schöfferstadt

Peter Schöffer - Drucker für Europa

Zu Beginn der Neuzeit, um 1425, wird Peter Schöffer in Gernsheim geboren. Er ist gemeinsam mit Johannes Fust Mitarbeiter Gutenbergs. Seiner Leistung ist es zu verdanken, dass das neue Medium Buchdruck seinen Weg aus dem goldenen Mainz hinaus nach Europa nahm.
Der Druck- und Verlagsunternehmer, Typograph und Entwicklungsingenieur Schöffer, wie wir ihn heute nennen würden, ist derjenige, "der durch seinen Forschungsgeist die Kunst des Buchdrucks vervollkommnet und mit tätigstem Eifer verbreitet hat". So sagt es die Inschrift des Denkmals, welches seine Vaterstadt Gernsheim ihm zu Ehren 1836 errichtete.
Dieses Denkmal befindet sich auf dem Peter-Schöffer-Platz direkt vor dem Gebäudekomplex des Museums, das ebenfalls den Namen des berühmten Buchdruckers (Schöfferhaus) trägt.
 
Im Rahmen des Schöfferjahres schlug Hans-Josef Becker vor, Gernsheim als Schöfferstadt zu benennen. Dieser Namenszusatz wurde der Stadt am 24.02.2003 vom Ministerium des Inneren und Sport verliehen.

Joseph Schmitt – sein Leben und Wirken

Joseph Schmitt, wurde am 18. März 1734 in Gernsheim getauft (das damalige Wohnhaus ist heute die Gaststätte „Zum Karpfen“). Sein Vater Mathias Schmitt war laut Taufbuch "Postvisor und Senator" in Gernsheim, von der Mutter ist nur der Vorname Maria Elisabeth bekannt.
Im Alter von 19 Jahren trat er in das Zisterzienserkloster Eberbach ein, legte dort am 2. Okt. 1753 seine Profess ab und erhielt am 9. Oktober 1757 die Priesterweihe. Als "Regens Chori" in Eberbach ist Schmitt von 1763 bis 1771 belegt. Als solcher war er für die Kirchenmusik in der Abtei Eberbach zuständig. Instrumentalwerke Schmitts aus jener Zeit fanden sich in Abschriften in deutschen, österreichischen und tschechischen Stiften und Klöstern. Zwischen 1766 und 1770 publizierte Schmitt verschiedene Instrumentalwerke bei dem Verleger J. J. Hummel in Amsterdam, die dort mit der Nennung Opus I bis Opus VI erschienen.
Ca. 1772 / 1773 gründete Schmitt in Amsterdam einen Musikverlag mit einer eigenen Notenstecherei. Der Sitz des Verlages war in der Warmoesstraat biy de Wiyde Kerksteeg, in der auch J. J. Hummel ansässig war. Nach Schmitts Tod (1791) führte Vincent Springer (* 1756 oder 1757 in Jung-Bunzlau/Böhmen), ein in Europa weit bekannter Bassetthornspieler, der mit einer Nichte Schmitts verheiratet war, den Verlag bis mindestens 1797/98 weiter.

Johann Friedrich Lehne – Universalgelehrter

Friedrich Lehne wurde am 8. Sept. 1771 in Gernsheim am Rhein geboren und wurde durch den frühen Tod der Eltern schon mit 10 ½ Jahren von seinem Onkel Professor Mühlenkamp nach Mainz geholt. Nach dem Abschluss am Gymnasium begann er 1790 ein Studium der Geschichte und Schönen Wissenschaften. Da er keine andere Anstellung fand, trat er in den Dienst der französischen Nationalgarde ein.
Freunde finanzierten ihm 1797 eine Italienreise. Sie wurde Grundlage seines 1825 erschienenen Briefromans "Romantische Seereise von Genua nach Neapel". Vor allen in Kampanien studierte er römische und griechische Skulpturen und Antikenbauten. Nach der Rückkehr wurde Lehne Secretaire-Interprète im französischen Mainz und übernahm die Redaktion des "Beobachter(s) vom Donnersberg".
Ab 1804 leitete Lehne römische Ausgrabungen in Mainz und wurde sogar von Goethe im Zahlbachtal besucht. 1807 wurde er zum Departementalskonservator ernannt. Weitere wichtige Stationen seiner Tätigkeit in Mainz waren die Leitung der Mainzer Stadtbibliothek 1814 und die Redaktion und Teilhaberschaft der "Mainzer Zeitung". Nicht zu vergessen ist seine Ehrenpromotion 1821 durch die Universität Gießen, um die er sich allerdings selbst bemühte.
Lehne trat in den 20iger Jahren des 19. Jhdts. den Beweis an, dass Gutenberg und nicht Coster den Buchdruck erfand. Sein Engagement in Mainz führte maßgeblich zur Errichtung von Gedenksteinen und zwei Gutenberg-Denkmälern in Mainz. Der Zeit seines Lebens forschende Lehne erkrankte 1829 und starb am 15.02.1836.