Verfehlte Kritik an der Feuerwehr

11.01.2019

Am Montag, dem 07.01.2019 kam es um 17:13 Uhr zu einer Alarmierung der Feuerwehr zu einem Einsatz in der Mainzer Straße in Gernsheim. Ein Tanklaster, der von einem Industriebetrieb im Hafengebiet kommend in die Pfungstädter Straße einfuhr, hatte geladenes Lösungsmittel verloren. Der am Unfall beteiligte Tanklastzug wurde am Fahrbahnrand der Pfungstädter Straße abgestellt. Ein weiteres Austreten von Gefahrgut konnte zum Zeitpunkt des Abstellens verhindert werden. Über die Ursache des Transportunfalls können von Seiten der Stadt weiterhin keine Angaben gemacht werden. Hier bleiben Ermittlungsergebnisse der Polizei, ggf. der Staatsanwaltschaft abzuwarten.

Bei dem ausgetretenen Gefahrgut handelte es sich um ein Lösungsmittel mit der Bezeichnung m-Xylol. Der Stoff ist leicht entzündlich und kann in Zusammenwirken mit Sauerstoff explosionsgefährlich werden. Der Flammpunkt liegt laut vorliegendem Produktblatt bei 28 °C. Die Zündtemperatur beträgt bei 460 °C. Dies bedeutet, dass erst bei einer Temperatur von 460 °C m-Xylol selbstständig zu brennen beginnt. Ab 28 °C kann ein zündfähiges Sauerstoff-m-Xylol-Dampfgemisch entstehen. Aufgrund der vorherrschenden Außentemperatur von unter 10 °C war von einer möglichen Selbstentzündung nicht auszugehen. Gleichwohl bestand eine geringe Restgefahr durch das Einwirken externer Zünd- oder Hitzequellen. Deshalb wurden durch die Feuerwehr und die Polizei alle Vorkehrungen getroffen, um auf eine Entzündung des auf der Straße befindlichen Lösungsmittels unverzüglich zu reagieren bzw. diese zu verhindern.

Dämpfe des Stoffes können bei größeren Konzentrationen narkotisierend wirken. Im Umkreis der Unfallstelle wurden die Anwohner gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Direkt betroffene Anwohner wurden durch die Polizei aufgesucht und informiert. Ferner erfolgten entsprechende Hinweise über den Rundfunk und das Portal Kat-Warn. Anwohner eines unmittelbar an den abgestellten LKW angrenzenden Anwesens wurden aufgrund des Brand- und Explosionsrisikos sicherheitshalber gebeten, während des Einsatzes das Gebäude zu verlassen.

Wie bereits dargestellt, wurde aufgrund der bestehenden Brandgefahr die Unfallstelle durch die Polizei abgesperrt. Nachdem sichergestellt war, dass kein weiteres Lösungsmittel aus dem Tanklastzug austritt, wurde das bereits auf der Straße befindliche Gefahrgut von der Feuerwehr mit Bindemitteln aufgenommen. Ein Einfließen der Chemikalie in die Kanalisation wurde so weitgehend verhindert. Aufgrund des später einsetzenden Regens gelangten dennoch kleinere Mengen in das Kanalsystem. Da der Stoff schwer wasserlöslich und leichter als Wasser ist, konnten die in das Abwassernetz eingetretenen Restmengen über den Fettabscheider der Kläranlage aufgefangen werden. Von hier aus wurden sie ebenso wie das verbrauchte Bindemittel als Sondermüll entsorgt.

Nach hiesigem Kenntnisstand wurde der Fahrer des Tanklastzuges stationär-medizinisch versorgt. Während des Einsatzes wurden bei den Rettungskräften im Übrigen keine Gesundheitsschäden gemeldet. Auch hierzu bleiben die Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden abzuwarten.

Um etwa 22:00 Uhr wurde die Kat-Warn-Meldung aufgehoben. Der Feuerwehreinsatz war gegen 23 Uhr beendet. Im Auftrag der Straßenbaulastträger wurde die Fahrbahn von Hessen-Mobil begutachtet, die eine maschinelle Reinigung durch ein Spezialunternehmen beauftragte. Dieser Arbeitseinsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Gegen 3 Uhr konnte die Straße für den Verkehr wieder freigegeben werden.

Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Gernsheim und Biebesheim, Kräfte der Werkfeuerwehr der Firma Merck, der Brandschutzaufsichtsdienst des Kreises, der Rettungsdienst des Kreises und der DRK OV Gernsheim sowie Beamte der Landespolizei und der Wasserschutzpolizei in Gernsheim.

Vollkommen verfehlt ist die öffentlich geäußerte harsche Kritik einzelner Personen an der Freiwilligen Feuerwehr. Insbesondere wurde hier moniert, dass die Einsatzkräfte auf Nachfrage nicht über spezifische Einzelheiten des Gefahrstoffs informiert hätten. Hier ist anzumerken, dass die Mitglieder der Einsatzabteilungen der Feuerwehren aus unterschiedlichen Gründen nicht mit der Öffentlichkeit Informationen teilen können. Im Einsatzgeschehen kommt es stets maßgeblich darauf an, zunächst eine Gefahrenstelle möglichst schnell abzusichern, gefährdete Personen aus dem Gefahrenbereich herauszubringen, sodann die Gefahr einzudämmen, unter Kontrolle zu bringen, sie zu beseitigen und eingetretene Schäden soweit möglich zu beheben. Hierbei spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle.

Im Einsatzverlauf wurde jede erdenkliche Fachquelle hinzugezogen oder angefragt und in die Lagebeurteilung bzw. Entscheidung einbezogen. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit liegt in diesem Zusammenhang klar bei der Einsatzleitung und nicht bei der einzelnen Einsatzkraft.

Bereits um 19:00 Uhr gab es eine Pressekonferenz durch Gesamteinsatzleitung, Polizei und technische Einsatzleitung. Begleitend wurde die Öffentlichkeit über die Internetseite der Schöfferstadt Gernsheim umfassend informiert.

Wenn Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner sich ehrenamtlich und mit Erfolg darum bemühen, Leib und Leben und das Eigentum ihrer Mitbürger zu schützen, so verdient dies Anerkennung und Respekt. Die an den Einsatzkräften der Feuerwehr geäußerte Kritik wird von Seiten der Schöfferstadt Gernsheim mit Nachdruck zurückgewiesen.

Während des Einsatzes wurde eine nicht alltägliche Gefahrensituation koordiniert und strukturiert abgearbeitet. Erneut zeigte sich die gute Motivation und Ausbildung unserer Feuerwehr. Die Schöfferstadt Gernsheim dankt deshalb nochmals allen haupt- und ehrenamtlichen Führungs- und Einsatzkräften für das sehr umsichtige, professionelle und schnelle Eingreifen.

Zu guter Letzt: Wer sich selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren will, ist zu den Übungen herzlich eingeladen. Auch im Jahr 2019 finden diese jeden Freitag und Montag ab 19:30 Uhr im Feuerwehrstützpunkt statt. Einfach vorbeischauen!

 

 

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