Die Geschichte der Schöfferstadt

Bereits aus den beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderten lässt sich in Gernsheim ein römisches Kastell mit einem dazugehörigen Lagerdorf [canabae legionis, vicus] nachweisen, wobei letzteres durch Bodenbefunde im Süden der Stadt belegt ist. Artefakte aus römischer sowie anderen lokalgeschichtlichen Epochen der Schöfferstadt sind im Museum im Peter-Schöffer-Haus zu sehen.

Gernsheim wird erstmals in der von König Ludwig II. am 23. Juni 852 in „Gerunesheim“ ausgestellten Urkunde schriftlich nachgewiesen: „Vorschrift über die Lorscher Reichsunmittelbarkeit und Freiheit“ wurde von dem König nicht für, aber wie der Schluss der Urkunde besagt, in Gernsheim ausgestellt: „Gegeben am 23. Juni [852], durch Christi Gnade im 19. Jahre der Regierung des Herrn Ludwig, des gnädigsten Königs in Ostfranken. Unter glücklichem Sterne, geschehen in Gerunesheim [Gernsheim] im Namen Gottes. Amen.“

Am Schöfferplatz befand sich eine mittelalterliche kurmainzische Wasserburg, an deren Stelle bzw. in unmittelbarer Nähe sich der karolingische Königshof befunden haben dürfte, in dem 852 die o.g. Urkunde ausgestellt wurde.

Durch die am 22. Dezember 1356 in Metz von Kaiser Karl IV. erlassene Urkunde erhielt Gernsheim die Stadtrechte. Warum sie zuerkannt wurden, beantwortet Klaus Hansel im Heimatbuch 1956 wie folgt: „Hier gab es flüssiges Geld, und der Handel konnte blühen. Gernsheim war gleichsam das Tor zu dem geschlossenen Mainzer Besitz zwischen dem Rhein mit einer Zollstation und der Bergstraße.“ Die mit der Stadterhebung einhergehenden Marktprivilegien und der bürgerliche Fleiß haben Gernsheim unter kurmainzischer Herrschaft bald zu einer wohlhabenden Stadt gemacht.

Im Februar 1689 traf Gernsheim und alle benachbarten Städte das Los des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Die Stadt wurde unter dem französischen General Ezéchiel de Mélac bis auf wenige Häuser in einen Aschenhaufen verwandelt. Das Jahr 1689 wird in dem Sterbebuch der katholischen Pfarrei mit Recht als „annus feralis“ [das Schreckensjahr] bezeichnet.

Blieb die Stadt während des Ersten Weltkrieges von kriegerischen Einwirkungen verschont, traf es sie umso mehr in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. Am 25./26. März 1945 forderte der Beschuss der Innenstadt durch amerikanische Artillerie 16 Menschenleben.

Kulturhistorischer Gang durch Gernsheim

Wir beginnen unseren Spaziergang an der Hafenmole, deren Spitze von dem Aalschokker „Hannelore“ geziert wird. Es ist eine Reminiszenz an die einst in Gernsheim stationierte größte Aalschokker-Flotte am Mittelrhein und gleichzeitig Erinnerung an die ehemals in der Stadt stark vertretene Schiffer- und Fischerzunft.

Der Weg führt uns unter alten Linden durch die Promenade de Bar-sur-Aube entlang des 1890 fertiggestellten Rheinhafens zur Innenstadt. Auf dem Weg sehen wir das 1710/15 erbaute Gasthaus „Zum Karpfen“, Geburtsstätte des seit 1949 alljährlich am ersten Augustwochenende gefeierten Rheinischen Fischerfestes. Eine Gedenktafel weist darauf hin, dass im Haus „Zum Karpfen“ 1734 der bedeutende Barockmusiker und Komponist Georg Adam Joseph Schmitt das Licht der Welt erblickte.

Der Weg führt uns zur Magdalenenstraße und gibt den Blick frei zu einem der schönsten Gebäude der Stadt: dem Peter-Schöffer-Haus. Es beherbergt das Stadtmuseum und die Stadtbibliothek. Auf dem Platz vor dem früheren Schulgebäude errichtete 1836 der Darmstädter Hofbildhauer Johann Baptist Scholl das Denkmal für Peter Schöffer. Der angesehene Mitarbeiter Johannes Gutenbergs wurde um 1425 in Gernsheim geboren; er starb 1503 in Mainz. Das weltweit bekannteste Werk aus der Hand des bedeutendsten Sohnes der Schöfferstadt ist der 1457 gedruckte Mainzer Psalter, der in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde.

Zum Ensemble des Platzes gehört auch die ehemalige Feuerwehrgerätehalle, die heute ein Feuerwehrmuseum beherbergt.

Wenden wir unseren Blick in Richtung Innenstadt, so erblicken wir das Wahrzeichen der Stadt, die Barockkirche Sankt Maria Magdalena mit ihrer geschwungenen Zwiebelhaube. Sie wurde von 1750 bis 1753 nach den Plänen des Mainzer Baumeisters Johann Valentin Thomann an der Stelle einer spätgotischen Vorgängerkirche erbaut.

Vor dem Gotteshaus sehen wir das 1751 von den Gernsheimer Bürgern gestiftete barocke Denkmal für den heiligen Josef, den Schutzpatron der Stadt.

In der Stadt befinden sich zudem die Michaelskapelle [1862] auf dem Friedhof, auf dem Weg nach Maria Einsiedel Fieberkapelle [1737] und Lourdeskapelle [1901] sowie in Stadt und Gemarkung 22 religiöse Bildwerke, Marienstatuen, Kreuzigungsgruppen und Kruzifixe.

Nach wenigen Metern erreichen wir das Stadthaus, den Sitz der Kommunalverwaltung. Der in den Jahren 1839/40 errichtete Bau steht an gleicher Stelle seines um 1700 unter dem Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Franz Lothar von Schönborn entstandenen Vorgängergebäudes. Im Treppenaufgang ist der Wappenstein des Kurfürsten zu sehen.

Auf unserem Gang durch die Stadt können wir  drei Fachwerkbauten bewundern: Magdalenenstraße Nr. 71 [mit Sonnenuhr aus dem Jahre 1790], das ehemalige Gasthaus „Krone“ am Stadthausplatz sowie das 1701 errichtete Gebäude Stadthausstraße Nr. 15.

Setzen wir unseren Spaziergang durch die Magdalenenstraße fort, erreichen wir nach wenigen Minuten den Georg-Schäfer-Platz mit der 1996 erbauten Stadthalle. Sie bietet Raum für kulturelle und gewerbliche Veranstaltungen, unter denen die Fastnachtsveranstaltungen hervorzuheben sind.
Von dort sind es nur noch wenige Meter bis zur evangelischen Kirche, die in den Jahren 1898 bis 1900 im neuromanischen Stil erbaut wurde.

Nunmehr verlassen wir die Stadt und begeben uns nach Maria Einsiedel, das als Juwel Gernsheims bezeichnet wird. Die Wallfahrtskapelle, die den Namen „Zum heiligen Kreuz“ trägt, ist mit der Geschichte Gernsheims sehr verbunden. Der älteste Teil [Chor] der Kapelle wurde 1493 an der Stelle einer älteren Vorgängerkapelle, die wahrscheinlich in Holzbauweise errichtet war, erbaut. In den Jahren 1500 bis 1508 wurde das Kapellenschiff angefügt, während der neugotische Hallenvorbau erst 1871 errichtet wurde. Die beiden Gnadenbilder der Muttergottes stammen aus den Jahren um 1410 und 1460.
(Google Maps)

Wer sich eingehender zur Geschichte Gernsheims informieren möchte, dem seien die drei Heimatbücher von 1956, 1981 und 2006 zu empfohlen. Genealogische Daten über die Gernsheimer Familien bietet das „Gernsheimer Familienbuch 1652 bis 1875“. Weitere Informationen gibt es beim Kulturamt und dem Archiv der Schöfferstadt Gernsheim.